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30/08/2010

Gesang



entnommen dem Heft: Klaus Knigge, Kanons


Was sucht ihr mächtig und gelind,
Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuss
Auf mich herab, in ernster Sabbatstille;
Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,
Und ein Gebet war brünstiger Genuss;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heißen Tränen
Fühlt ich mir eine Welt entstehn.
Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,
Der Frühlingsfeier freies Glück;
Erinnrung hält mich nun mit kindlichem Gefühle
Vom letzten, ernsten Schritt zurück.
O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!




aus Faust 1
J.W. Goethe

04/05/2010

maiway

 

 




Waldmeister und Flieder

Diese Fotos habe ich aufgenommen,
ohne hinzusehen.
Ich hielt den Apparat an verschiedenen Stellen
mitten in die Blüten hinein.
Das Bild "sah" ich dann erst danach
und war zufriedener damit,
als wenn ich den genauen Ausschnitt "gesucht" hätte.
Wie geht das: Sehen ohne Hingucken?





       

18/03/2010

glaub ich - nicht / Nr. 19

"Eine Weltanschauung, 
die uns wahrhaft befriedigen soll,
muss uns wirklich von der Stelle im Weltall,
wo wir ohne sie stehen,
wegbringen,
sie muss uns in absolute Bewegung versetzen.
Wir müssen durch sie 
nicht bloß Aufschluss darüber erhalten,
was wir sind,
sondern wir müssen 
etwas durch sie werden."

Rudolf Steiner, GA 39, S. 132


Berg am Morgen
Tal am Morgen
Sonne am Morgen
Kreuz am Morgen
Steintisch(chen) am Morgen
Lied am Morgen:



Das Lied kann man kopieren, ins Schreibprogramm einfügen, 
dort groß ziehen, ausdrucken --- singen.
Ich singe die zweite Stimme,
weil ich Alt bin.

*

Ich habe heute den Lavendel geschnitten, das beruhigt.
Die erste Wäsche dieses Jahres ist draußen getrocknet.


Den Winter haben wir von der Straße



und die Wintergedanken aus den Haaren gefegt.


Und was hat das mit dem Berg zu tun?



*

05/02/2010

Wunsch - Konzert

Ein Mensch möcht´ erste Geige spielen,
jedoch - das ist der Wunsch von vielen,
so dass sie gar nicht jedermann,
selbst wenn er´s könnte, spielen kann.

Auch Bratsche ist für den, der´s kennt,
ein wunderschönes Instrument !

Eugen Roth


Ein Mensch, hier: weiblich, übt seit vielen
und noch mehr Jahren Bratsche spielen.
Doch wo er übt, da zischelt's her:
"Ich weiß, dass Geige schöner wär'!"

Der Mensch, hier: sie, übt wünschend weiter
und singt. - Da staunt der Herr Begleiter.


Stefanie Rabenschlag