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27/07/2011

formlos



Unlesbarkeit dieser
Welt. Alles doppelt.

Die starken Uhren
geben der Spaltstunde recht,
heiser.
 
Du, in dein Tiefstes geklemmt,
entsteigst dir,
für immer.


Paul Celan










:



20/04/2010

ent - sprechend




Stehen, im Schatten
des Wundenmals in der Luft.

Für-niemand-und-nichts-Stehn.
Unerkannt,
für dich
allein.

Mit allem, was darin Raum hat,
auch ohne 
Sprache.


Paul Celan


Schliere im Aug:
von den Blicken auf halbem
Weg erschautes Verloren.
Wirklichgesponnenes Niemals,
wiedergekehrt.

Wege, halb – und die längsten.

Seelenbeschrittene Fäden,
Glasspur,
rückwärtsgerollt
und nun
vom Augen-Du auf dem steten
Stern über dir
weiß überschleiert.

Schliere im Aug:
dass bewahrt sei
ein durchs Dunkel getragenes Zeichen,
vom Sand (oder Eis?) einer fremden
Zeit für ein fremderes Immer
belebt und als stumm
vibrierender Mitlaut gestimmt.
 
 
 





19/01/2010

Zwiegestalt




Lass dein Aug in der Kammer sein eine Kerze,
den Blick einen Docht,
lass mich blind genug sein,
ihn zu entzünden.
Nein.
Lass anderes sein.
Tritt vor dein Haus,
schirr deinen scheckigen Traum an,
lass seine Hufe reden
zum Schnee, den du fortbliest
vom First meiner Seele.


Paul Celan



18/01/2010

Fernen


Aug in Aug, in der Kühle,
lass uns auch solches beginnen:
gemeinsam
lass uns atmen den Schleier,
der uns voreinander verbirgt,
wenn der Abend sich anschickt zu messen,
wie weit es noch ist
von jeder Gestalt, die er annimmt,
zu jeder Gestalt,
die er uns beiden geliehen.

Paul Celan