08/01/2010

Tat-Sachen


Die Zukunft zeigt sich von zwei Seiten,
von der Seite der Verödung, des Aufgehens im Materialismus,
aber auch von dem Geborenwerden einer neuen geistigen Welt,
nicht nur in den Gedanken, oder, sagen wir, in der Anschauung,
sondern für das Dasein.


Denn der Christus wird dem Menschen an die Seite treten
und sein Rater werden.
Nicht als Bild allein ist das gemeint,
sondern in Wirklichkeit werden die Menschen die Ratschläge,
die sie brauchen,
von dem lebenden Christus empfangen,
der ihnen Berater und Freund sein wird,
der zu den Menschenseelen sprechen wird
so wie ein Mensch, der physisch neben uns geht.

Rudolf Steiner, GA 152
Der Weg des Christus durch die Jahrhunderte
Kopenhagen, 14. Oktober 1913

07/01/2010

...erschien der Gnadenstern



Oben am Himmel steht hell der Stern,
wird uns den Weg wohl weisen.
Wir drei Könige kommen von fern,
wollen das Kindelein preisen.



 
  
Königsgold, so rein und klar,
Weihrauch bringen wir ihm dar,
Gottes Sohn auf Erden.
Myrrhe sei für seinen Tod,
der uns hilft aus aller Not
froh und frei zu werden.




Seht der Stern bleibt stille stehn,
wo das Wunder ist geschehn,
wo der König ist geboren,
lasset uns zu ihm gehn.




O du Stern der Weisen gibst uns kund,
was geschieht zu dieser Stund',
dass die Erde Stern will werden,
leuchten in des Himmels Rund.





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06/01/2010

Aufblick

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Stern


Oft in meinem Abendwandel hefte
Ich auf einen schönen Stern den Blick,
Zwar sein Zeichen hat besondre Kräfte,
Doch bestimmt und zwingt er kein Geschick.

Nicht geheime Winke will er geben,
Er ist wahr und rein und ohne Trug,
Er beseliget und stärkt das Leben
Mit der tiefsten Sehnsucht stillem Zug.

Nicht versteht er Gottes dunkeln Willen,
Noch der Dinge letzten ew'gen Grund,
Wunden heilt er, Schmerzen kann er stillen
Wie das Wort aus eines Freundes Mund.

In die Bangnis, die Bedrängnis funkelt
Er mit seinem hellsten Strahle gern,
Und je mehr die Erde mählich dunkelt,
Desto näher, stärker brennt mein Stern.

Holder, einen Namen wirst du tragen,
Aber diesen wissen will ich nicht,
Keinen Weisen werd ich darum fragen,
Du mein tröstliches, mein treues Licht!

Conrad Ferdinand Meyer




                              

05/01/2010

wortwörtlich

Rühmkorf wie reimst
du wie
fängst du's an
Celan dass
ich mich verwandel
Jandl:

Denn ich bin ans Wort geraten,
produzier' jetzt Wortoblaten.
Ich bin aus dem Wort gekrochen,
lag die Jahre in den Wochen.
Ach, ich bin ans Wort gebunden,
soll jetzt schreiben und bekunden,
weil: ich bin dem Wort begegnet.
Worte hat's auf mich geregnet.
Hört: Ich bin dem Wort entstiegen!
Seht: Ich konnte Worte kriegen!
O, ich bin dem Wort verschworen.
Und ich hab' ein Wort geboren.





 



White Christmas







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04/01/2010

Schrift-Gelehrte en blog

 

Hier wird
alles notiert und
festgehalten und
 - geklopft
auf den Putz
wenn die Vorgaben nicht
eingehalten und
Gesetze missachtet und
Geheimnisse verraten und
ans Licht gebracht
werden von diesem JC und
seinen Nachläufern und
die Welt auf 
den Kopf gestellt
jede mysteriöse Rückverbindung
wird angezeigt so
wahr uns Gott
helfe.

 









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03/01/2010

Rosa mystica



Das Herz empfänget Gott
mit allem seinem Gut,
wenn es sich gegen ihn
wie eine Ros' auftut.

Angelus Silesius


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02/01/2010

Prologos von Inger Christensen

Das. Das war es. Jetzt hat es begonnen. Es ist. Es währt fort. Bewegt sich. Weiter. Wird. Wird zu dem und dem und dem. Geht weiter als das. Wird andres. Wird mehr. Kombiniert andres mit mehr und wird fortwährend andres und mehr. Geht weiter als das. Wird andres als andres und mehr. Wird etwas. Etwas neues. Etwas immer neueres. Wird im nächsten nu so neu wie es nur werden kann. Stellt sich dar. Flaniert. Berührt, wird berührt. Fängt loses material ein. Wächst größer und größer heran. Erhöht seine sicherheit indem es als mehr existiert denn es selbst, bekommt gewicht, bekommt geschwindigkeit, bekommt in der geschwindigkeit mehr mit, geht vor andres, über andres hinaus, das aufgesammelt, aufgeschluckt, schnell belastet wird mit dem was zuerst kam, so zufällig begann. Das war es. So andres jetzt da es begonnen hat. So verändert. Schon unterschied zwischen dem und dem, da nichts ist, was es war. Schon zeit zwischen dem und dem, zwischen hier und dort, zwischen vorher und jetzt. Schon die ausdehnung des raums von dem zu dem andern, zu mehr, zu etwas, etwas neuem, das nun, in diesem nu, war, das im nächsten nu ist und fortwährt. (...)











Inger Christensen
diesmal geboren am 16. Januar 1935
diesmal gestorben am 2. Januar 2009





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01/01/2010

Vor - Wort

wort
du
bist
bei
gott
von
anfang
an
bei
gott

wort
du
bist
bei
mir
von
anfang
an
bei
mir

wort
gott
ist
bei
dir
von
anfang
an
bei
dir


wort
du
anfang
bist
bei
gott
und
bist
bei
mir

ich
bin
das
wort
bei
gott
von
anfang
an


von
anfang
an
ist
gott
das
wort
bei
mir

gott
und
das
wort
sind
wort
und
gott
von
anfang
an

das
wort
beginnt
bei
gott
beim
wort
beginnt´s
fang
an

fang
an
das
wort
bei
gott
und
gott
fängt
auf

beginn
bei
gott
das
wort
bei
gott
beginn


so
fängt
es
an
von
ur
be
ginn

bei
gott
fängt
an
das
wort
fang
auf




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Flüsterpost






Ich sag dir den ersten Januar ins Ohr.
Sag ihn weiter, ich warte.



Günter Eich








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