Rettungsschimmer


ich bin die fremde Frau in meinem Haus
ich will mit bloßen Händen Feuer fangen
mein Atem wird schon eins mit seinem Rauch
ich höre schlafend seine Zungen reden


ich sehe innen eines Baches Wasser
ich weiß ein Grün und einen Frühlingstag
das offne Dach wird Schlüssel mir und Tür
der Tod bleibt liegen, als ich weitergehe



sr


für diese fünf

Nagelprobe



der dichter sammelt flockig winterworte
die schneefrau legt sie kühn in einen topf
den trägt sie anstatt hut auf ihrem kopf
und macht daraus den reim auf kokostorte

der dichter sucht die lippen seiner muse
die schneefrau konjugiert aktiv die verben
sie beugt: ich du er sie wir ihr sie sterben
und näht dann einen knopf an ihre bluse

der dichter ringt wild mit den strophen
die schneefrau legt noch scheite in den ofen
und sich dann ins gemachte bett

dem dichter fehlt ein schluss mit anapäst
die schneefrau gibt dem februar ein fest
und schreibt im schlaf ein klassisches sonett



sr


Wintermärchen


wirf einen Blick
in den Glasberg

schau dem Wolf
auf die Pfoten

bring dem Fährmann
Kuchen und Wein

koch für den Teufel
genug süßen Brei

nimm den Riesen
in die Arme

sei ruhig nackt
wenn du Sterne fängst

und das Blut in den Schnee
fällt für Goldmarie




sr

theaterstück


komm mach mir
eine szene vor-
hang auf die
souffleuse sitzt
schon im kasten
zeig en face
deine maske bald
hat das lust-
spiel premiere
bühne frei für
den pas de deux
der statist winkt
aus dem stegreif



sr



Relief


hör deine füße
die richtung wechseln

folge dem nagel er
weist zur sonne

gib deinen kopf
hin zum schlafen


sr




zuerst


guten tag sprach
die zeit und stellte
sich ein 

in ihrer gegenwart
verging sie
von selbst

später schlug
sie vor
zu stunden



sr