#8

steht auf 
zwei händen 

schlüpft leicht
in die füße 

augen
greifen zu 


Sr.



#11

beeinflusst
von quellen 

 überläuft sich
die schale

stillt dürste 
dürres grünt 


Sr. 








#12

denkt sich lichter
aus und an

trägt den kopf
darunter

wie über 
wasser 


Sr.






#13

in diesen kreisen
schwimmt der fisch

 gefäß aus händen 
ist sein ort

er springt von
mund zu mund


Sr.






#14


Und in eigenster Sache:
Heute veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung in ihrem Magazin
zusammen mit fünf anderen Leidensgeschichten:
"In fremden Händen"

*


#16

kleine lächeln 
unterlaufen 
die grenzen 

besetzen
lippen

da sieh 
schon bei dir


Sr.



#17

in der glocke
schwingt die zeit 
hin und her

draußen
 berauscht sich 
der takt 

komm herein 
und läute


Sr.


#18

sterne halten
sich blind
an den händen

sie wissen 
das spiel

nichts
verrät sie


Sr.






beschluss

worte in der warteschleife
schließlich eine kette
ein band eine kordel ein
roter faden zieht sich
durch die geschichte
damit strickst du ein kleid
am feuer wärmt sich der
winter wir haben ihn
umgarnt rücken uns
zuleibe wollen etwas
anfangen miteinander
los jetzt kommst du



Sr.

zweizeiler

plauderst du geistchen mir stumm das tägliche wort in die finger
   blitzt durch den klassischen takt vorschreibers einfall herein



Sr.

betrachtung

duft trägt ein geheimnis
die stunde schweigt ihren
mantel darum auf kissen
liegen köpfe sie denken
einander zu niemand schließt
die türen der nacht


Sr.


satire

welche worte auf das tablet tippen
fingerspitzen tapsen tastatur
kritiker lässt jeden vorschlag kippen
frühaufsteher sieht schon auf die uhr

plötzlich buchstabt sich von selbst ein schreibchen
keiner hat gesehn woher es kam
rückt und dreht und löscht und schleift das leibchen
hintergründig leuchtend wundersam



Sr.

gedicht

wie kann ich deine sprache sagen
erst wenig worte torkeln mir im mund
auch bleibt der klang ein fremdes rauschen
daraus in stücken silben fallen

als poltern steine stufen abwärts
und ungelenke knochen stehn im weg
die zunge bremst vor allen dingen
ich starre ob du mich verstehst



Sr.

gebet

leg eins drauf engel
wir beten dir zu
die nächte da der
schlaf verzichtet
verteile den überfluss
damit der kuchen
für alle reicht
und die tische
sich ausziehen
überlang

brauchst du
hände engel wir
menschen haben
jeder zwei hier
nimm



Sr.

biographie

wirbel im kopf herz
klopfen bis zum
hals der zieht sich
zu im bereich vor
den worten wir
verstehen uns sinn
für sinn fremder
engel wer steckt
in deiner haut ich
kenne dich an der
stimme wir sind
verabredet seit
du kamst mit dem
vogelzug nach norden
jetzt wird es sommer



Sr.

pamphlet

komm gefälligst, engel,
nicht soft auf wolken
und sanftblauen schleiern
daher in wirklichkeit
brennst du dir wege
durch dornen wirfst
uns aufs kreuz fragst
nicht zuvor ob nein
woher nimmst du das
recht wer hat dir


ich




Sr.

anleitung

atemzüge halten an
plötzlich ist raum
für eine bemerkung
geschäftige stille
umgeben uns
mit ansprache
ihr geheimnis
durchläuft die
häute nach innen
fliegt auf uns über
ins leere weise



Sr.

parabel

ach nacht bleibe an
mir hängen schlage
dein schwarzes tuch
um mich und halte
mich warm der tag
will mich entkleiden
vor ihm stehe ich nackt
wie er mich beäugt
bin ich bloß wer

ach nacht du blinde
siehst mich an
ziehst mich an


Sr.

kurzgeschichte

wasser stehen
am grund der brunnen
sie rufen nach schöpfern
die fassen mit bloßen
händen das fließende
greifen ein ohne
gefäße graben sich
selbst in die tiefen
bergen und beten
die quellen ans licht



Sr.


protokoll

sonst fallen aus
allen wolken
menschen mit
schirmen allerdings
sonnen sich
lächelnde vögel
im regen zwar
werden aus
plänen flügel
gefaltet indessen
erfahren träumende
hellwach und heiter


Sr.

übersetzung

anderssprache
wiegt sätze
befruchtet
personen mit
goldstaub klingt
nach glocken aus
heimat hört uns
das wort von
den lippen ver
stehst du



Sr.

lied

räder treibt
vorwärts wie
sollen wir
spuren was
bringt ihr ins
rollen

spring auf den
wagen wir
fassen die
richtung wir
greifen den
raum

dehnen die
enge und
gehn ohne
standpunkt der
fuß weiß den
schritt


Sr.

ode

herz großer zeiger
der inneren uhren
gieße dein gold in
die wartenden schalen

da schäumen menschen
vor mut und lachen
wir trinken uns pur
einander zu


Sr.

reportage

sag mal engel was
hast du mir heute zu
flüstern ich drücke die
aufnahmetaste du
kannst jetzt sprechen
mit engelszunge warte
ich drehe auf laut so
versteht man dich besser
nicht stumm schalten im
anfängerkurs rede mir ein
was zu sagen ist woher
kommst du eigentlich



Sr.

kommentar

kraft verteilt küsse
an offene münder

kniet vor dem kind und
beatmet sein leben

kehrt so die wucht eines
schicksals ins milde



Sr.


sonntagsausgabe

worte beginnen sich
ernst und gestalt
anzunehmen

siehe sie handeln und
machen sich beine so
kommen sie laufend vor

mit einem körnchen
glauben werden sie
mensch



Sr.



bekanntmachung

nächte schneiden die
stunden zurecht da
wir zutage treten

vordenklich schreiten sie
wege ab wir sollen uns
nicht verfehlen

zeiger fallen aus
uhren die gehen
voran



Sr.

gleichnis

unter dem dach
der entfernung
liegen flügel
bereit

schon steht
der wind auf

er wirft einen weg
durch die luft

du folgst



Sr.



notiz

wie du die
schubladen leerst

altes flammt ängstlich
zündstoff reibt

feuer macht platz
für atem
übung

schrei


Sr.

bild

aus dem meer
tauchen augen

tauchen in
meine sicht

tragen brillen
und durchblick

siehe sie schauen
mich an

engel mit tausend
pupillen


Sr.


befragung

engel, wie stehst du
dazu: bin ich tragbar
für dich

erfährst du antwort
in meiner haut wo
wir stecken

wirst du müde
vom dasein und
dulden

brennen dich
deine flügel vom
wachen am feuer

hältst du den
kopf hin und
aufrecht

schweigst dir
worte zum rand
deiner lippen

stehst mit
mir auf nach dem
fall



Sr.


beschreibung

engel, blau bist du
weit wie ein mantel
darunter zelte ich

atem in atem
klopfen die hälften
unseres herzens

ziehe die tür 
hinter mir zu 
wenn du bleibst

spielst du mit
offenen karten so
sind wir am ziel



Sr.

Bericht

engel, du bringst mich
in fluss du
feuerst mich an
sprühst mir ideen
wie funken ein

dass ich hellauf brenne
worte mache wie
strömendes wasser in
aller ohren und mitnehme
was schwimmen will

nicht da eine grenze
die trennt nur
einssein ist dein und
unser element

wir sind uns ein haus
ein bett ein brot
selbst ein getränk
für den durst nach mensch


Sr.

ballade

engel, du wäschst uns
mit allen wassern

schickst uns durch
feuer und flamme

zündest den mond
an mit sonne

da blutet er rot in
die augen der seher

du jagst uns zum teufel
und dann in die luft

stampfst uns zu
erde vor zorn

engel, wir sind doch
nur menschen


Sr.