27. Januar 2012


juden,
christen,
sinti und roma,
menschen mit behinderung,
homosexuelle,
politisch andersdenkende
sowie männer und frauen des widerstandes,
wissenschaftler,
künstler,
journalisten,
kriegsgefangene und deserteure,
greise und kinder an der front,
zwangsarbeiterinnen und zwangsarbeiter
und die millionen menschen,
die unter der nationalsozialistischen gewaltherrschaft
entrechtet,
verfolgt,
gequält und
ermordet werden:










auch heute.







leuchtReklame


"Jo, wer hätt dat jedaach, do hes ed jeschafft!"



Gruß nach Köln




*




klick das Licht an!


auf Draht



blau wie der januarhimmel siehst du mich an
kirchgänger
komm raus in den weinberg
selbst die reben sind online








eins mit Stern...


...für die Königin!









*

Manche freilich...



... müssen drunten sterben,
Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
Andre wohnen bei dem Steuer droben,
Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

Manche liegen immer mit schweren Gliedern
Bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
Andern sind die Stühle gerichtet
Bei den Sibyllen, den Königinnen,
Und da sitzen sie wie zu Hause,
Leichten Hauptes und leichter Hände.

Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
In die anderen Leben hinüber,
Und die leichten sind an die schweren
Wie an Luft und Erde gebunden:

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
Kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
Noch weghalten von der erschrockenen Seele
Stummes Niederfallen ferner Sterne.

Viele Geschicke weben neben dem meinen,
Durcheinander spielt sie alle das Dasein,
Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
Schlanke Flamme oder schmale Leier.








Hugo von Hofmannsthal


muse, sag ich morgens manchmal,

möchtest du mir nicht
ein wörtchen flüstern
oder sonstwie mir
etwas anregendes zu-
kommen lassen aus
deinem unerschöpflichen vor-
rat:

muse, mensch, mach mal,
es wird schon hell!







Sylvester 2012




Zum neuen Jahr


Zwischen dem Alten
Zwischen dem Neuen,
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.


Stunden der Plage,

Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen,
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut;
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar,
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.


Johann Wolfgang von Goethe





Herein!







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