erfrischt

Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig,
Ätherische Dämmerung milde zu begrüßen;
Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig
Und atmest neu erquickt zu meinen Füßen,


Beginnest schon mit Lust mich zu umgeben,
Du regst und rührst ein kräftiges Beschließen,
Zum höchsten Dasein immerfort zu streben. -


In Dämmerschein liegt schon die Welt erschlossen,
Der Wald ertönt von tausendstimmigem Leben,
Talaus, talein ist Nebelstreif ergossen,


Doch senkt sich Himmelsklarheit in die Tiefen,
Und Zweig' und Äste, frisch erquickt, entsprossen
Dem duft'gen Abgrund, wo versenkt sie schliefen;
Auch Farb' an Farbe klärt sich los vom Grunde,
Wo Blum' und Blatt von Zitterperle triefen:



Ein Paradies wird um mich her die Runde.



aus Faust 2
J.W. Goethe

Gesang



entnommen dem Heft: Klaus Knigge, Kanons


Was sucht ihr mächtig und gelind,
Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuss
Auf mich herab, in ernster Sabbatstille;
Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,
Und ein Gebet war brünstiger Genuss;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heißen Tränen
Fühlt ich mir eine Welt entstehn.
Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,
Der Frühlingsfeier freies Glück;
Erinnrung hält mich nun mit kindlichem Gefühle
Vom letzten, ernsten Schritt zurück.
O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!




aus Faust 1
J.W. Goethe

gegengleich

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:



Vom Himmel kommt es,



Zum Himmel steigt es,








Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.

J.W. Goethe



ZeichenSprache




Zu meinem Geburtstage, der mir diese Woche erscheint,
hätte mir kein angenehmer Geschenk werden können als Ihr Brief,
in welchem Sie, mit freundschaftlicher Hand, 
die Summe meiner Existenz ziehen und mich, durch Ihre Teilhabe,
zu einem emsigern und lebhafteren Gebrauch meiner Kräfte aufmuntern.
Reiner Genuss und wahrer Nutzen kann nur wechselseitig sein,
und ich freue mich, Ihnen gelegentlich zu entwickeln:
was mir Ihre Unterhaltung gewährt hat,
wie ich von jenen Tagen an auch eine Epoche rechne,
und wie zufrieden ich bin,
ohne sonderliche Aufmunterung,
auf meinem Weg fortgegangen zu sein,
da es nun scheint, 
als wenn wir, nach einem so unvermuteten Begegnen,
miteinander fortwandern müssten...
Alles, was an und in mir ist,
werde ich mit Freuden mitteilen.
Denn da ich sehr lebhaft fühle,
dass mein Unternehmen das Maß der menschliche Kräfte
und ihrer irdischen Dauer weit übersteigt, 
so möchte ich manches bei Ihnen deponieren
und dadurch nicht allein erhalten,
sondern auch beleben.
Wie groß der Vorteil Ihrer Teilnehmung für mich sein wird,
werden Sie bald selbst sehen,
wenn Sie, bei näherer Bekanntschaft, 
eine Art Dunkelheit und Zaudern bei mir entdecken werden,
über die ich nicht Herr werden kann,
wenn ich mich ihrer gleich sehr deutlich bewusst bin.
Doch dergleichen Phänomene 
finden sich mehr in unserer Natur,
von der wir uns denn doch gerne regieren lassen,
wenn sie nur nicht gar zu tyrannisch ist.
Ich hoffe bald einige Zeit bei Ihnen zuzubringen,
und dann wollen wir manches durchsprechen.







So schrieb Goethe in einem Brief an Schiller
am 27. August 1794;
sein Geburtstag ist der 28. August 1749.



Anleihe

"Ein Bild soll sein wie ein Zeichen; 
knapp, einfach, wahr, 



hart wie die Natur, 
froh wie die Natur
und traurig wie sie."

Julius Bissier


Dongo, 1964








teilWeise


klar dürfen sie mich fragen
welche meine bessere hälfte ist
wir sind ja
unter
uns







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Das ist unser Kater,

 hier auf seinem Lieblingskratzbaum:


Amadeus


geheimer Rat

Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten.


Nichts ist drinnen, nichts ist draußen;
 
 
Denn was innen, das ist außen.
 
 
So ergreifet ohne Säumnis
 
 
Heilig öffentlich Geheimnis!
 
 

Freuet euch des wahren Scheins,
Euch des ernsten Spieles!
Kein Lebend'ges ist ein Eins,
Immer ist's ein Vieles.


J.W. Goethe



Fotos aufgenommen am 23. und 24. August 2010

In deine Augen

Blau wird es in deinen Augen -


Aber warum zittert all mein Herz
Vor deinen Himmeln.


Nebel liegt auf meiner Wange


Und mein Herz beugt sich zum Untergange.



Else Lasker-Schüler



welcome

will you come by car or by train?


good, you take the train



have a first sight at the town
 
still covered by a pillow of fog


 awakened by the sound of the trombone


now then, come in




chairs stand by
so take a seat





close your eyes

can you hear that lovely music?





look through this eye of a needle




you may see the sun painting colours

 watercolours 


 possibly inflamed


inspired




see you












photos taken in Lambrecht/Pfalz