anZeiger



Die Ohnmacht der Kalender

Ihr Kalender in aller Welt,
ich weiß, dass ich von euch abhänge:
Ihr sagt: Es ist Sonntag,
und tatsächlich ist es ein Sonntag.
Ihr verkündet: Es ist Montag,
und wer könnte euch widersprechen?
Beginn und Ende der Wochen,
der Monate,
der Jahre,
der Jahrhunderte,
der Jahrtausende
sind Dekrete eurer Macht -
um nicht zu sagen, eurer Launen ...

Eine Ausnahme gibt es;
da könnt ihr nichts ändern.
Ihr werdet zwar verkünden:
Heute um Mitternacht
ist der Monat Mai zu Ende,
der Juni wird beginnen,
und ein Monat wird
auf den anderen folgen ...
Im Innersten der Seele aber
bleibt seit langem lebendig
ein ewiger Monat Mai! 


Dom Helder Camara






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zeitig


die zeit
steht still
im raum




erinnerung


taucht
auf




hörst du
mich schweigen


im glockenton







du da



aus sicht von mir aus
meiner sicht er-
scheinst du mir
kommst du
mir vor wie


komm vor
mich hin dass
ich nicht
länger mir die
sicht ver-
decke






bereit



Sobald wir das Denken leibfrei entwickeln,
wird jeder Gedanke so wie eine Hülse,
und in die Hülse hinein schlüpft ein elementares Wesen.
Der Gedanke ist nicht mehr in unserer Gewalt:
Wir lassen ihn, wie einen Fühler,
hinausgehen in die Welt,
und da schlüpft ein elementarisches Wesen hinein.
Unsere Gedanken sind so 
von elementarischen Wesen gleichsam ausgefüllt,
und das quirlt und braust,
das webt und west in uns ...
So ist es im Grunde genommen bis hinauf
zu den Wesenheiten der höchsten Hierarchien.
Und wenn wir einen Engel, einen Erzengel,
einen Geist der Persönlichkeit erleben wollen,
so muss es so sein,
dass wir in der geschilderten Weise
unsere Gedanken ausstrecken.
Das Wesen muss sich einhüllen 
in unsere Gedanken.
Wir schicken unserer Gedanken aus,
und das Wesen schlüpft hinein 
und bewegt sich darinnen.
Wenn wir wahrnehmen die Wesen
auf der Venus oder auf dem Saturn,
so ist es so, 
dass wir unsere Gedanken hinausschlüpfen lassen,
und die Venus- und Saturnwesen hineinschlüpfen.




Wir dürfen uns nicht fürchten davor,
nicht mehr irdisch-menschliche Gedanken zu haben,
sondern Hierarchiengedanken.
Wir müssen uns gewöhnen,
mit unserem Kopfe 
in den höheren Hierarchien darinnen zu leben.
Wir müssen uns sagen:
unser Denken hört auf,
und unser Kopf wird der Schauplatz
des Wirkens der höheren Hierarchien.


Rudolf Steiner, GA 161, 27. März 1915



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alles klar





siehst du da was
ich sehe oder was
siehst du da
du siehst was
andres das ist 
klar was siehst du
ich sehe zehn
buchstaben und wer
nicht lesen kann sieht
- ich weiß nicht -
vielleicht zehn figuren
neun verschieden 
geschwungene linien
und das hoch sehe ich eben
und den ochs
und den nebel
und hl
und lh






ich sehe
es kommen
und du






pointiert


Kind, 2,2, mag Punkte.
Kind, 2,2, mag Punkte in Anhäufung;
mag alles, was klein und gleichmäßig
sich auf einer Fläche musterartig wiederholt;
mag auch Lochmuster aus diesen Gründen:
klein, gleichmäßig, sich wiederholend.


Kind, 2,2, mag auch dieses Zeichen.
Wir haben es ihm nicht beigebracht;
dennoch findet es 
auf kleinsten Gläschen und Döschen und Päckchen
immer und sofort dieses Sechseck.



Kind, 2,2, mag auch dieses Zeichen.

Wenn Kind, 2,2, etwas mag, schreit es laut
(wirklich laut!)
und zeigt so lange mit dem Finger darauf,
bis jemand das Wort dazu spricht.

Kind, 2,2, mag Kleinkariertes
aus o.g. Gründen.
Kind, 2,2, mag in einem Bilderbuch
am liebsten die Blumenwiese,
weil sie mit kleinen, 
vielfach wiederkehrenden Zeichen gemalt ist.


Kind, 2,2, mag diese Strumpfhose
mit den vielen kleinen Fischen darauf;

mag diese Schuhe und


dieses Geschirr.


ein Kinderspiel


 mensch
der du bist
mein nächster

du hörst mein wort
wie ich deines höre
du öffnest dich
wie ich mich öffne
dein wille geschehe
wie auch meiner



sei mir täglich da 
wie ich dir da bin
halte nicht fest an meinen schwächen
wie ich nicht an deinen
bewege mich 
wie ich dich bewege 
und erlöse mich von mir
wie ich dich erlöse von dir



 denn unser ist die möglichkeit
die schöpferkraft
und das leben
immerwährend
ja





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So sah das "Kreuz" am nächsten Tag aus.

*

verStand




Ich verstehe, dass das zu dringliche Verstehen zudringlich ist,
und dass du recht hast, dass ich kein Recht habe, dich zu verstehen,
denn dich zu verstehen ist deine intimste Sache, die mir nicht zusteht,
auch wenn es mir noch so zu dir steht.
Das verstehe ich.
Aber ich verstehe nicht ganz sicher, warum du dir ganz sicher bist,
dass ich das nicht verstehe,
und ich verstehe nicht ganz sicher, warum du dir ganz sicher bist,
dass du das ganz anders verstehst.

Denn ich kann es nicht wissen,
Denn du kannst es nicht wissen,
Denn wir können es nicht wissen.


Christian Uetz




°

pfingSten






Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört's nicht im Geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt
- Pfingstochse meinetwegen -
Dem Honorar entgegen.


Joachim Ringelnatz




Foto:
Brunnenfigur
Neustadt an der Weinstraße 





anSprache


 Meine sehr verehrten Anwesenden!



Morgen feiern wir Pfingsten.
Das Urbild dieses Festes,
das im Neuen Testament
aus der Apostelgeschichte aufsteigt,
hat ja gleich etwas Begeisterndes:
das wehende, brausende geistige Anwesendsein,
aus dem sich Flammen auf die Häupter,
in die Herzen senken,
die dann aufflammen in das reine,
aus dem freien Ich heraus gesprochenen Menschenwort.
Das hat Atem.
Aber dieser Atem, dieses Licht, diese Befreiung -
sie waren nicht einfach da.
Sie waren als Folge einer allertiefsten Bedrängnis
zustande gekommen.
Die Begeisterung, die Erleuchtung waren das Ergebnis
von Krisis und Katharsis der Jüngerseelen.

Man kann Pfingsten nicht feiern, ohne zu empfinden,
dass dem Heilenden des Geistes etwas vorangehen muss.
Dieser Geist hat zwei Namen:
Er ist der Heilende,
aber auch der Geist der Wahrheit,
das heißt jener gewaltigen Kraft,
die nicht nur aus dem Licht heraus erleuchtet,
sondern in das hineinleuchtet,
was im Dunkel liegt.

Die Jünger waren in den zehn Tagen
vom Himmelfahrtstage bis zum Pfingstmorgen so einsam,
so verlassen und verzweifelt wie nicht einmal da,
als sie bei der Gefangennahme des Christus
zerstreut worden waren.
Denn dem Verlassensein,
das sie nach der Gefangennahme erlebt,
hatten sie noch einen letzten Rest von Vorstellung
entgegenbringen können;
sie hatten das Unbegreifliche, das Unerwartete erlebt,
aber es war doch eine vorstellbare Wirklichkeit gewesen.
Als dann der Heiland durch den Tod hindurch
in die Auferstehung übergegangen war
und nach der Zerstreuung,
nach der Vereinzelung mit einem Male
das gemeinsame geistige Erlebnis
seiner Anwesenheit fortwährend erfahren wurde,
mussten die Menschen meinen:
Nun ist das Paradies auf Erden gekommen
und wird ewig so bleiben.
Es blieb aber nur 40 Tage so.
Und als sie sich dann verlassen fühlten,
indem der Auferstandene die Himmelfahrt vollzog,
wurde durch den Sturz aus dem Paradies dieser "Fortgang"
für sie zu einem viel tieferen Erschütterungserlebnis
als das der Gefangennahme.
Ein trauernd-demütiges Aushaltenkönnen allein
trug sie durch die folgenden zehn Tage.
Dann erst ereignete sich Pfingsten ...

Aus der tiefen Einsamkeit und Verlassenheit
entfaltete sich in jedem einzelnen Jünger
eine innere Bewegung des Geistig-Seelischen,
in welches die Erinnerungen aufstiegen,
die sie mit dem Gotteswesen
in seiner menschlich-irdischen Erscheinung
auf dem irdisch-sinnlichen Plan erlebt hatten.
Alle diese Erinnerungen wurden durchleuchtet
von den Worten,
die Er zu ihnen gesprochen hatte.

Die brausende Bewegung der Bilder erzeugte
in jedem einzelnen das Gefühl der tiefsten
individuellen Verbundenheit mit dem Heiland,
die gleichzeitig das Erlebnis der Verbundenheit
mit dem eigenen ewigen Wesen,
mit der eigenen ewigen Individualität
als das tiefste Herzensfeuer
einer rein gesitigen Liebe entflammte.
In diesem Feuer leuchteten nun alle Begegnungen auf,
die sie in den 40 Tagen von Ostern
bis Himmelfahrt im Umgang
mit dem Auferstandenen  erlebt hatten.
Sie erfuhren dann in diesem Licht und Feuer
die volle Erweckung des Geistbewusstseins,
indem der tiefere Sinn, das Wesenhafte
alles dessen ihnen bewusst wurde,
was sie mit dem Herrn
während seines Erdenwandels erlebt hatten.
In einer unmittelbaren Erleuchtung
verstanden sie sein Wesen,
sein Wandeln und seine Tat.
Sie begriffen vollständig,
wer dieses Wesen ist.
Und so konnten sie, jeder einzelne,
aus der Erhöhung ihres eigenen Wesens
ihre gemeinsame Verbundenheit
mit dem Gotteswesen
auf die individuellste Weise erfahren,
und sie vermochten aus der voll erwachten Freiheit alles,
was sie verstanden hatten -
wiederum jeder in seiner Weise -, auszusprechen.
Sie erfuhren im Wort den Zusammenklang
der erleuchteten Erkenntnis
und der wärmenden Empfindung.
Dies gab ihnen die Vollmacht, so zu sprechen,
dass jeder andere
sich ganz persönlich berührt fühlen konnte.
Eine ewige Zukunft hatte angefangen zu sprechen.


Friedrich Benesch:
Pfingsten heute

Gemeinschaft im Zeichen
des Individualismus



hinWeise (10 und Schluss)



gott schon wieder
und auch noch
auf dem friedhof
ginkgo geht ja noch
männertreu zu füßen naja
im hintergrund sehen
sie den gedenkstein für
anonym bestattete ich
setze mich lieber auf
die bank von
weitem halte ich
es besser aus wir
wollten uns einander ver-
schweigen  kommen
nicht um uns
herum  fängst du
an dort: mund










p s
 und wo gehts hier raus?



schluss



hinWeise (9)







 hatte mich aus
den augen verloren war
mir nicht mehr zu
gehör gekommen saß
im tonblinden turm im
lichttauben schacht dort
 sind mir hören
 und sehen ver-
gangen hinter
welcher wand hast
du mich gefunden mich
ausgeleuchtet bis
ich hervortrat als
ich dein wort sah




*

hinWeise (8)








komm ohne 
aber komm mit
der tür ins
zimmer da habe
ich was angerichtet du
wirst meinen augen
trauen wo
hast du so
lang gesteckt ich
zähle bis 50 dann
kommst du
herein


*




kleinartig







hinWeise (7)


NIKOLAS
immer lese ich:
NIKOLAS
wenn ich dieses schild ansehe:
NIKOLAS
ist der nächste:
NIKOLAS
geht auf allen vieren:
NIKOLAS
komm um 4:



KOALA
 heißt: trinkt nicht




hinWeise (6)



ich kann es
drehen und wenden
wie
ich
will

*

se nnak hci
nednew dnu neherd
eiw
hci
lliw



hinWeise (5)





psalm 2010


du hast mich im blick mensch du
lässt mich nicht aus
den augen wenn ich auch
zweifle an deiner gebärde höre
ich doch deinen wortlaut ich
schaue dir
über die schulter ins herz wie
du mir schaust über
die schulter ins herz so
fürchten wir nur
manchmal uns noch vor-
einander








hinWeise (4)


 




 wo bist du da
vorne ich
 sehe dich nicht du
sprichst in rätseln erklär
dich wie kann
ich dich denken ich
hatte es doch schon
verstanden jetzt stehe
ich wieder und
immer noch vor
dieser wand wenn
du kommst oder
ich dich be-
suche be-
greifen kann 
ich es nicht immer
kreuz immer
nägel mit
köpfen wo
fliegen wir
hin
auf

schwester









hinWeise (3)





Es scheint,
dass unser Aufstieg
noch nicht vollendet ist,
dass die morgige Wahrheit sich
vom gestrigen Irrtum nährt
und dass die zu überwindenden Gegensätze
für unser Wachstum der rechte Humus sind.
Wir zählen auch die zu den unsrigen,
die anders sind als wir.
Aber welch merkwürdige Verwandtschaft!
Sie gründet sich auf das Künftige,
nicht auf das Vergangene.
Auf das Endziel,
nicht auf die Herkunft.
Wir sind Pilger,
die auf verschiedenen Wegen
einem gemeinsamen Treffpunkt zuwandern.


Antoine de Saint-Exupéry





hinWeise (2)




"Nehmen wir an, er habe das Karma,
in einer früheren Inkarnation
ein scharfer Denker gewesen zu sein.
Dann wird das Denken
jetzt nicht so stark den Ätherleib
mit dem Gehirn engagieren,
und er wird verhältnismäßig leicht
den Ätherleib bald loskriegen
und kann gerade dadurch,
dass die denkerischen Elemente
die besten Samen sind
für das Aufsteigen in die höheren Welten,
in feinster Weise die Geheimnisse
der höheren Welten erforschen.
Er muss natürlich erst wieder loskriegen
den Ätherleib von dem Gehirn.
Wenn der Ätherleib aber
sich so verfangen hat im physischen Gehirn
beim Hineinziselieren der denkerischen Tätigkeit,
dass er erschöpft ist,
dann kann ihn sein Karma 
vielleicht lange warten lassen,
bis er ihn wieder loskriegt.
Wenn er aber dann aufsteigt,
dann ist er durchgeschritten
durch den Punkt des logischen Denkens.
Dann ist das unverloren,
dann kann ihm niemand wegnehmen,
was er sich errungen hat,
und das ist ungehuer wichtig,
weil die Hellsichtigkeit sonst
immer wieder verloren gehen kann."


Rudolf Steiner, GA 117, 13.11.1909








auf, fahrt!




"... Es ist nicht so, dass an dem einen Tage dieses, 
vierzig Tage darauf jenes und am fünfzigsten Tage 
wieder ein anderes isoliertes Geschehnis eingetreten ist. 
Die Himmelfahrt Christi,
von einer bestimmten Seite her gesehen, 
ist nichts anderes
als ein fortgeschrittenes Stadium der Auferstehung, 
und auch das Pfingstereignis und die Wiederkunft Christi 
sind weitere gnadenvolle Metamorphosen 
in der sieghaften Selbst- und Weltverwandlung, 
die am Ostermorgen begonnen hat ...

Erkennen wir die imaginative Galiläa-Landschaft 
der Ostergeschichte als eine Art Wegbezeichnung 
der Himmelfahrt Christi, so wird uns klar: 
der Himmel, in den der Auferstandenen hineinwächst, 
ist unsere Erde selbst. 
Die Himmelfahrt Christi 
kommt in Wirklichkeit der Erde zugute. 
Durch sie wird die Erde 
keimhaft in einen Himmel verwandelt. 
Der Auferstandene verbindet sich mit der Erde, 
indem er sich in alle Erdenweiten hineinergießt. 
Zuerst zeigt er sich in dem stillen Raum der Einkehr. 
Da ist der Ostervorgang noch wie in einem Samenkorn 
oder in einer Knospe geborgen. 
Dann setzt ein mächtiges Keimen ein. 
Die Knospe erschließt sich. 
Fortschreitend an Intensität und Geistdichtigkeit 
wird der Auferstandene
immer strahlenmächtiger und größer. 
Die Jünger nehmen teil daran
in gnadenvoller Entrückung. 
Die Dynamik des Szenenwechsels, die so ist, 
als ob die Landschaft gesprengt würde, 
kündigt ihnen jedoch in Wirklichkeit den Augenblick an, 
in dem der Auferstandene
über ihre Fassungskraft hinauswächst 
und ihnen entschwindet. 
Als aber der Christus
im Augenblick des Himmelfahrtserlebnisses 
dem Bewusstsein der Jünger entschwand, 
entschwand er nicht der Erde. 
Er verließ seinen Sonderzustand 
und ging in die irdische Allgegenwart über. 
Durch die Himmelfahrt ist der Christus 
überall auf der Erde gegenwärtig. 
Die ganze atmende Sphäre der Erdenseele 
wird zur Trägerin seiner Gegenwart ..."


Emil Bock












hinWeise





Ein Verharren will ich, das uns alle eint.
Ein Verharren der Arme, Beine, Haare,
ein Verharren, das aus jedem Körper ersteht.
Ein Verharren will ich
der Arbeiter, der Tauben,
Chauffeure, Blumen,
Techniker, Kinder,
Ärzte, Frauen.
Ein allgemeines Verharren will ich,
das selbst die Liebe erfasst.
Ein Verharren, das alles reglos macht,
die Uhr, die Fabriken,
das Beet, die Schulen,
den Bus, die Krankenhäuser,
die Landstraße, die Häfen.
Ein Verharren der Augen, Hände, Küsse.
Ein Verharren, das Atmen verbietet,
ein Verharren, das Stille hervorbringt,
ein Verha 
damit wir die Schritte
ein Verhades Tyrannen hören, wenn er davongeht.


Gioconda Belli
                                                                                                                                 



täglich möglich



 Innere Wandlung kann nichts anderes bedeuten,
als dass einer seine derzeitige Tatsächlichkeit überholt;




als dass die Person,
die mit einem gemeint ist,
die bisher erschienene durchdringt;




dass die Gewohnheitsseele
sich zur Überraschungsseele weitet und wandelt.




Dies ist es, was die Propheten Israels
in ihrer Glaubenssprache unter Umkehr verstanden;




nicht Rückkehr zu einem früheren,
schuldlosen Stadium des Lebens,




sondern ein Umschwingen dahin,
wo das verzettelte Hin und Her




zum Schreiten auf einem Weg wird
und die Schuld sich sühnt




in der entstandenen Echtheit der Existenz.



Martin Buber
Prophetie und Apokalyptik. 1954




Fotos aufgenommen in Eußerthal/Pfalz
und in der dortigen ehemaligen Zisterzienserabteikirche

*