Die Beichte

                                                                              
Hier schreit' ich über meinem Grabe nun -
Hei Hutten, willst du deine Beichte tun?

 's ist Christenbrauch. Ich schlage mir die Brust.
Wer ist ein Mensch und ist nicht schuldbewusst?

 Mich reut mein allzuspät erkanntes Amt!
Mich reut, dass mir zu schwach das Herz geflammt!

 Mich reut, dass ich in meine Fehden trat -
Mit schärfren Streichen nicht und kühnrer Tat!

 Mich reut die Stunde, die nicht Harnisch trug!
Mich reut der Tag, der keine Wunde schlug!

 Mich reut - ich streu' mir Aschen auf das Haupt -
Dass nicht ich fester noch an Sieg geglaubt!

 Mich reut, dass ich nur einmal bin gebannt!
Mich reut, dass oft ich Menschenfurcht gekannt!

 Mich reut - ich beicht' es mit zerknirschtem Sinn -
Dass nicht ich Hutten stets gewesen bin!

 Conrad Ferdinand Meyer: Huttens letzte Tage
 


 

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